Häusliche Gewalt

Die Bezeichnung "häusliche Gewalt" ist sehr breit gefächert und bezieht sich generell auf verschiedene Formen von Gewaltanwendung. Fachkreise einigten sich auf diesen Terminus, da er insbesondere dem Aspekt Rechnung trägt, dass die Verletzungen, Beschimpfungen, Drohungen und die Schläge im trauten Heim und somit dem Ort von Sicherheit und Geborgenheit erfolgen. Hierbei richten sich die Angriffe auf Leib und Leben grundsätzlich gegen die eigene Partnerin oder den eigenen Partner oder die Kinder.

Welche Tatbestände fallen unter häusliche Gewalt?

Gewissermaßen wird der Ausdruck häusliche Gewalt als Oberbegriff für eine Vielzahl von Straftatbeständen genutzt, welche innerhalb von partnerschaftlichen, ehelichen oder familiären Gemeinschaften auftreten. Hierzu zählen:

  • alle Formen der vorsätzlichen Körperverletzung
  • schwere, gefährliche, leichte sowie Körperverletzung mit Todesfolge
  • sexuell motivierte Straftaten wie sexueller Missbrauch und Vergewaltigung
  • psychische Misshandlung durch Bedrohung und Stalking
  • Tötungsdelikte wie Totschlag und Mord.

Das umfassende Spektrum schließt aber auch die psychische bzw. seelische Gewalt in Ehe und Partnerschaft mit ein. Häusliche Gewalt bezieht sich somit stets auf die Beziehung zwischen Opfer und Täter.

Wer kann Opfer von Häuslicher Gewalt werden?

Jede Person im Haushalt kann innerhalb der eigenen vier Wände Opfer einer Gewaltstraftat werden - Frauen, Männer und Kinder. Mit 100.000 registrierten Fällen in 2015 werden zwar zumeist Frauen Opfer häuslicher Gewalt. Doch dies soll allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass häusliche Gewalt immer häufiger auch Männer bedroht. Solche Fälle gelangen lediglich seltener an die Öffentlichkeit, da das vermeintlich stärkere Geschlecht befürchtet, im Auge der Gesellschaft seinen Ruf zu verlieren. Zwischen die Fronten geraten aber nicht selten auch die Kinder. So belegen die Zahlen in der Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts, dass die Anzahl der Delikte gegen Kinder zunimmt. Oftmals leiden die Kinder aber auch indirekt unter der Situation.

Häusliche Gewalt und mögliche Ursachen.

Betroffene von häuslicher Gewalt werden sehr oft mit fadenscheinigen Entschuldigen konfrontiert, mit denen die Gewalttäterin bzw. der Täter versucht, das eigene Verhalten zu rechtfertigen - Stress im Job, Hunger, zu wenig Schlaf, zu viel Alkohol konsumiert. Nicht selten wird die Schuld auch auf die Opfer selbst projiziert: "Du provozierst mich". Einige Frauen und Männer sind auch der Überzeugung, dass Gewalt rechtmäßig ist. Es muss allerdings klar sein, dass es für häusliche Gewalt keinerlei Rechtfertigung geben kann.

Nicht selten erscheinen die Täter/innen nach außen hin als eher unauffällig, verfügen über wenig Selbstbewusstsein und versuchen mittels Gewaltanwendung und Drohungen die Partnerin oder den Partner an sich zu binden und zu dominieren. Begleitet werden sie zumeist von großer Angst, die Partnerin oder den Partner verlieren zu können. Ein großer Teil der Täterinnen und Täter fühlt sich als Versager und leidet selbst unter der von ihm ausgeübten Gewalt. Sie sind jedoch oft nicht dazu bereit, Hilfe und Unterstützung von außen in Anspruch zu nehmen, da dies für sie eine zusätzliche Niederlage bedeuten würde.

Die Gründe, weshalb die Opfer dennoch bei den Tätern bleiben und auf professionellen Beistand verzichten, sind vielfältig. In vielen Fällen wird auf die leeren Versprechungen vertraut, wonach häusliche Gewalt in Zukunft unterbleiben wird. Andere wünschen sich insbesondere, dass ihre Kinder in einer vollständigen Familie aufwachsen und verlassen die Partnerin/ den Partner daher nicht. Hinzu kommt für manche die Befürchtung, das Aufenthaltsrecht verlieren zu können.

Nichts zu tun ist keine Lösung!

Das Gewaltschutzgesetz verbietet jegliche Form von häuslicher Gewalt und bezweckt den Schutz der Opfer. Seit 1997 wird auch die sexuelle Nötigung in der Ehe offiziell unter Strafe gestellt. Dennoch kommen viele Fälle nicht zur Anzeige. Viele Frauen und Männer trauen sich nicht, über das zu sprechen, was ihnen angetan wurde und verzichten so auf Unterstützung und Hilfe. Doch dies ist der falsche Weg, zumal häusliche Gewalt zumeist ausgelaugte Opfer hinterlässt, die in der Regel aus eigener Kraft nicht mehr aus dem Teufelskreis herausfinden. Immer wieder wird dabei die Schuld auf das Opfer abgewälzt. Schenken Sie solchen Aussagen keinen Glauben, zumal nichts die Anwendung von Gewalt in Partnerschaft und Ehe rechtfertigt. Auch mit Blick auf die Kinder sollte auf Unterstützung und Beistand von außen nicht verzichtet werden. Denn die Gewalterfahrung stellt für sie ein äußerst traumatisches Erlebnis dar, welches massive Auswirkungen auf ihre schulischen Leistungen, ihr Verhalten sowie ihre psychische Entwicklung haben kann.

Mit professioneller Unterstützung und Beistand zurück ins Leben!

Sind auch Sie Opfer von häuslicher Gewalt geworden? Empfinden Sie Ihre Situation als ausweglos oder fühlen Sie sich oftmals hilflos und allein? Machen Sie Schluss damit und setzen Sie Demütigungen und Gewalt ein Ende. Schließlich haben auch Sie ein Recht auf Unversehrtheit und Selbstbestimmung. Kehren Sie zurück ins Leben und wenden Sie an regionale Beratungsstellen, Frauenhäuser sowie entsprechenden Einrichtungen für Männer oder gehen sie zur Polizei. Professionellen Beistand in Ihrer Nähe, der Ihnen Hilfe und Unterstützung bietet, finden Sie auf dieser Seite. Die zahlreichen Beratungsstellen konnten bereits sehr vielen Betroffenen von häuslicher Gewalt zurück ins Leben verhelfen und einen vielversprechenden Ausweg aufzeigen.

 

 

Informationen zur Scheidung allgemein und zu einer möglichen Beschleunigung im Härtefall finden Sie unter www.Scheidung.org.